Sonntag, 4. März 2012

Bardolino - mi amore


Endlich Urlaub! Wenn ich nach Italien fahre, genieße ich die Anfahrt in kleinen Abschnitten. Mal sehe ich mir Bamberg an und Innsbruck, oder ich schlafe  am Chiemsee und mache einen großen Bogen, um Salzburg zu erkunden.

Diese absolut schönen Umwege geben mir die nötige Ruhe, um hinterher einen wundervollen Urlaub im Land der fröhlichen Menschen erleben zu können.
Das letzte Mal bin ich noch nach dem Besuch der eindrucksvollen Stadt Salzburg zum Wolfgangsee gefahren und habe im Mozartblick (www.mozartblick.at) in St. Gilgen übernachtet.
Dort hatte ich im Stammhaus ein typisches Zimmer, welches man im Salzkammergut sehr oft finden kann.
In St. Gilgen wurde die Mutter von Mozart geboren.
Dieses Kleinod zwischen Bergen und grünen Wiesen ist die Postkartenidylle, die irgendwie von der Außenwelt nicht betroffen ist. Hier ist die Zeit stehengeblieben.

Über die Brennerautobahn ging es nach einem österreichischen Abend, wie man ihn sich so vorstellt, ins bella Italia!
Puh, die Sonne knallte schon ganz schön und ich musste mein Outfit wechseln. Durch das schöne Aostatal schraubte sich mein kleiner Fiat fröhlich erwartend hinter Schlangen von LKWs bis zu meiner ersten Begegnung mit den lauten, fröhlichen und ohne Pause schwatzenden Italienern und es riecht nach Caffé.....
Dieser Capuccino holt dich wieder zurück! Solltest du nur ansatzweise den Anflug von Müdigkeit verspürt haben, stellt dich dieser italienische Kaffee buchstäblich auf die Füße und dann hast du wieder die Kraft, mit offenen Augen zum Ziel zu kommen.

Affi, endlich! Die Autobahnausfahrt in die liebliche Landschaft mit den grünen Weinbergen, dem schönen Gardasee und dem atemberaubenden Duft von Pizza und Lebenslust!

Ich hatte noch keine Unterkunft, diese Anfahrt war schon so sehr vom Glück gesegnet, vielleicht geht`s so weiter, mal sehen.
Eigentlich mag ich keine offiziellen Touristenbüros, aber in der Hauptsaison am Gardasee bleibt einem nichts anderes übrig, hier nach einer Bleibe zu fragen.
Normalerweise mag ich auch nicht die Touristenhochburgen, aber wenn man damit klug und fantasievoll umgeht, kann man die Nischen auftun, die nicht so belebt sind und die manchmal auch richtig einsam sind.

Besser konnte es nicht sein, das Hotel "Villa Olivo" in Bardolino (www.villaolivo.it) hatte noch ein einziges Zimmer für mich, das Panoramablickzimmer. Unglaublich, aber so habe ich mir meine Unterkunft vorgestellt!
Große Terrasse mit Blick auf den schönen See, Olivenbäume, ein paradiesischer Garten und zwischen den Olivenbäumen ein Swimmingpool...
Ich legte mich gleich unter einen Olivenbaum und spielte verträumt mit den herabhängenden Olivenzweigen, zu meiner Rechten stand ein Latte macchiato. Die Sonne schien mir ins Gesicht und neben mir lagen leckere Biscotti.
Das fröhliche Lachen der anderen Gäste rundherum, die plantschenden Kinder, die Schmusebardenmusik im Hintergrund, wie schön das doch alles war!

In Bardolino kannte ich mich aus, denn seit vielen Jahren war es schon mein Reiseziel, nur jetzt konnte ich es richtig genießen, es war alles anders....
Das Leben in Italien plätschert so dahin, wenn man dort als Tourist hinfährt.
Man besucht die schönen kleinen Seeörtchen, genießt die Ruhe und liest in der Sonne unter schattenspendenden Olivenbäumen schöne Bücher. Abkühlen kann man sich im herrlichen Wasser.

Danach lasse ich mir Zeit bei der ausgiebigen "Aufhübschzeremonie" und hinterher suche ich mir meistens eine schöne Trattoria in den Bergen.
Man findet diese Kleinode mit der Zeit, es sind die Stellen, wo man die italienischen Familien trifft. Und diese kommen nicht allein oder zu dritt und zu viert, die kommen  mit der Nonna, der Mama, dem Nonno und den Kindern und Enkelkindern, der Tante und dem Onkel.

Albisano ist einer dieser verträumten Orte, zwar noch nicht so hoch wie San Zeno di Montagna, aber historisch interessant und sehr südländisch.

In der Pizzeria "le Tavernette" in Albisano konnte man den herrlichen Sonnenuntergang über den Dächern von Albisano erleben, und verführerische Köstlichkeiten bestellen. Es ist eine richtige, einheimische Familienpizzeria 8 km von Torri del Benaco entfernt.

Das fruchtige Olivenöl, das die Sonne und die Fröhlichkeit der Italiener beim Olivenpflücken spüren lässt, der kugelige Mozzarella, die sonnengereiften Tomaten, der Wein, der hier wächst, der Sonnenuntergang, die köstliche Pizza und der frische Salat gibt mir das italienische Glücksgefühl, das ich hier immer wieder finden kann. 
Meistens fahre ich dann wieder zurück in mein Hotel und gehe von dort aus am blauen See entlang und beobachte die Fischer, die zurückkommen, die Familien, die ihre Decken zusammenfalten und die vielen Kühlboxen verstauen, die Kinder, die noch die letzten Minuten nutzen, ihre Lebensfreude zu zeigen. Hunde toben munter dazwischen.


Ich schlendere zufrieden zu meiner Bar Cristallo in Bardolino und kann meistens einen Platz vorne am Gardasee unter Oleanderbäumen finden, um den malerischen Gardasee in der ersten Reihe erleben zu dürfen.
Noch erlebnisreicher ist es in Torri del Benaco. Es ist ein mittelalterlicher Ort, typisch italienisch mit seinen kleinen Gassen.

Viele Einheimische beleben das Geschehen. Der kleine und romantische Hafen mit seinen zahlreichen Lichtern fasziniert mich immer wieder.
Wenn man durch den Ort schlendert, und hier und da die traumhaften Bouganville, die an den alten Fassaden hochklettern, fotografieren kann, die plappernden Italiener auf ihren urig beleuchteten Balkonen erahnt, möchte man sich wieder hinsetzen, und dem nicht endenden Schauspiel folgen.
Ein kleiner Rundgang führt mich  auf einem mittelalterlich gepflasterten Uferweg am See entlang und zeigt mir die entfernten Lichter der gegenüberliegenden Dörfer. Leise Musik klingt vom Hafen herüber, die Nacht ist lau und die gelblich erscheinende Beleuchtung lässt mich das     Südländische spüren.

Auf kurvenreichen Straßen, immer am Gardasee entlang, kehre ich  in mein kleines Paradies mit seinem blumenreichen Garten und den sprudelnden Fontänen zurück. 
Dicke, blaue Trauben, herunterhängend vom natürlichen Sonnenschutz, streifen meine Haare.
Ein letzter Blick von der Terrasse lässt mich danach glücklich und dankbar in einen tiefen Schlaf sinken.
Ganz früh am Morgen gehe ich immer schwimmen, denn diese friedliche Stimmung kann man nur dann erleben, wenn alle noch schlafen.
Die Vögel zwitschern in der Morgensonne und klingen italienisch, fröhlich und aufgeregt. Das Wasser glitzert, kleine Wellen spielen munter um mich herum. Nebenan tummeln sich Kinder in einem Garten und die Nonna fegt die Treppe. Bardolino erwacht und erwartet einen neuen Sonnentag.

Meistens spaziere ich nach dem Frühstück in das Zentrum von Bardolino und trinke unter einer Markise einen Caffé, und leiste mir noch ein warmes Frühstückshörnchen mit Vanillefüllung. Rundherum sitzen die Einheimischen und ich fühle mich wie in einem italienischen Taubenschlag, denn die deutschen Touristen sind noch nicht da und diese Chance nutzen die Einwohner von Bardolino, um ihr altes Dörfchen für sich genießen zu können.

Heute möchte ich wieder über Bergstraßen zu der kleinen Berghütte unterhalb des 2000 m hohen und 30 km langen Bergmassivs Monte Baldo fahren. Man kann diese Region mit Seilbahnen erreichen, die ab Malcesine starten.
Malcesine ist ein wunderschöner Ort, der von Goethes Reisen in diese kleine Stadt geprägt wird, und die dadurch auch sehr berühmt wurde. Von dort aus starten Boote nach Limone sul Garda, einem blumenreichen Ort mit engen, steilen Gassen auf der anderen Seite des Sees. Hier gibt es die unvergleichlichen Spaghetti al Pomodoro mit Parmesankäse, die ich schon im Alter von 5 Jahren genießen konnte und an die ich mich sogar noch heute erinnern kann.

Je höher man auf den Bergstraßen Italiens fährt, um so einsamer wird es dann auch. Rechts und links kämpfen sich 
Mountainbikefahrer schwitzend die steilen Bergstraßen hoch. Das prägt sehr das Straßenbild in den Bergen.
Riva, der mondäne Ort mit 13 000 Einwohnern, wird besonders von Touristen besucht, die diese Sportart lieben.
Riva ist eine sehr schöne und moderne Stadt, ähnlich wie Desenzano, die im östlichen Teil an die Halbinsel Sirmione grenzt. Sirmione ist wiederum bekannt durch die unglaublich leckeren Zitronen, die dort wachsen.
Die Gegend um Riva ist mir persönlich zu erdrückend, da hier die engste Stelle des Gardasees ist. Bardolino und die anderen Städte lassen doch mehr die Weite spüren.
Es wird immer kühler und ich habe meine kleine "Berggaststätte" erreicht.
Sie ist im Familienbesitz und die netten Italiener bieten die beste hausgemachte Pasta der Welt an.
Kühe untermalen die Bergweltstimmung und ihre Glocken dringen durch die Stille.

Der Blick auf den Monte Baldo, die saftigen und grünen Almwiesen, die Abgeschiedenheit und vor allem das kühle Klima, welches manchmal die Rettung vor zu viel Hitze im Tal bietet, macht diesen Ausflug zu etwas Besonderem.
Über San Zeno di Montagna fahre ich wieder ins Hotel zurück, um mich von meinem Ausflug unter den Olivenbäumen zu "erholen". Mein kleiner Olivenbaum schützt mich vor der heißen Sonne, und schickt mir warme Sonnenstrahlen zum Träumen durch seine feinen Blätter.

An diesem Abend wollte ich nach Verona fahren, einer größeren Stadt mit 263.000 Italienern, die dort wohnen dürfen.
Sie ist viel besucht und berühmt durch die Arena di Verona. Verona liegt im Veneto und ist die Hauptstadt der Provinz Verona.
Geschäftig und laut hupend stehlen sich die Autos durch die Straßen. An den Ampeln stehen Männer und Frauen mit Wassereimern, die die Autoscheiben der wartenden Autofahrer schnell für ein paar Euro säubern wollen.


In dem berühmten Amphitheater in Verona konnte ich vor Jahren Giuseppe Verdis "Aida" auf Steinen sitzend sehen. Ich brach aber fast zusammen, als ich meine Sitznachbarn nach der Dauer fragte, die mir dann hocherfreut mitteilten, dass wir die längere Version sehen durften, nämlich 4 Stunden......
Heute konnte ich Elton John, von den Italienern "Eltonno Johnno" genannt, genießen, aber nicht in der Arena, sondern von außen, denn die Karten waren restlos vergriffen.
Mit viel Glück bekam ich einen guten Parkplatz in der Nähe des Zentrums.
Ich setzte mich vor die Arena in eine Pizzeria, zwischen aufgeregt schnatternden und telefonierenden Einheimischen, und konnte bei Wein, Pizza und Salat ein grandioses Konzert und ein unaufhörlich jubelndes Publikum miterleben.
Während meines Aufenthalts hatte ich wunderschöne Erlebnisse in Sirmione, Desenzano, Garda, Torri des Benaco, Malcesine und in Venedig.
Über Venedig werde ich einen eigenen Blogeintrag schreiben, denn diese Stadt im Wasser verdient eine Sonderstellung in meinem Blog.
Nach vielen herrlichen und ausgefüllten Sonnentagen war nun mein letzter Abend, den ich im kleinen Bergdorf San Zeno di Montagna zelebrieren wollte.

In der kleinen Pizzeria Giardinetto (http://www.balconesulgarda.com/giardinetto/), die mir immer wieder ein atemberaubendes Bergpanorama mit einer Sicht auf den blauen Gardasee von oben zaubert, bin ich oft und gern.
Man sitzt in schwindelnder Höhe und erlebt eine unglaublich gute italienische Küche mit der schönsten Postkartenansicht.
Verträumt liegen die gegenüberliegenden Dörfchen in der Abendsonne.
Die Berge rundherum glühen und der mächtige See zeigt sich uns noch einmal an diesem endenden Tag in seiner vollen Pracht.

Wie verzaubernd diese norditalienische Region mit ihren von wilden Emotionen sprühenden Menschen sein kann, konnte ich euch hoffentlich näherbringen.
Ich freue mich, wenn wir zusammen Venedig bereisen, Venedig, die ewige Stadt im Meer.

1 Kommentar:

  1. Bei diesen wunderschönen Fotos bekommt man unweigerlich Fernweh ;)

    AntwortenLöschen